25.06.2017
Archäologie

Ausgrabungen und Dokumentation

Video: Was haben die archäologischen Ausgrabungen am Marienhof gebracht?

Vergangenheit aus dem Boden

Viele Jahrhunderte der Münchner Stadtgeschichte waren lange Zeit unter dem Rasen des Marienhofs verborgen. Neben schriftlichen und bildlichen Quellen sind es vor allem die Hinterlassenschaften im Boden, die wertvolle Hinweise auf die Vergangenheit geben.

Bevor der Bau der neuen unterirdischen Station am Marienhof beginnt, wurden hier archäologische Ausgrabungen durchgeführt, Funde fachgerecht geborgen und dokumentiert.

Warum sind archäologische Untersuchungen am Marienhof notwendig?

Bei der Fläche Marienhof handelt es sich um ein sogenanntes Bodendenkmal im Sinne des bayerischen Denkmalschutzgesetzes. Bodendenkmale sind die beweglichen oder unbeweglichen Sachen, bei denen es sich um Zeugnisse, Überreste oder Spuren menschlicher Kultur handelt, die im Boden verborgen sind oder waren.

Werden diese Bodendenkmäler infolge von Bauarbeiten freigelegt oder zerstört, müssen vor Baubeginn archäologische Ausgrabungen durchgeführt werden, um die Bodendenkmäler zu dokumentieren und – soweit möglich – zu sichern.

 

Erste Ausgrabungen bereits 1989

Bereits 1989 wurden erste archäologische Untersuchungen nördlich des Rathauses durchgeführt. Diese Grabungen machten nach Jahrzehnten zum ersten Mal wieder sichtbar, was der Zweite Weltkrieg vernichtete. Überraschend war es, dass sich in und unter den Bauten des 19. Jahrhunderts Münchner Stadtgeschichte bis in das Mittelalter erhalten hat.

Eine weitere Möglichkeit, einen Blick unter die Oberfläche zu werfen, ergab sich 2002/2003 anlässlich zweier Startschächte für die Bahnsteigerweiterungen der U-Bahn unter dem Rathaus.

 

Ausgrabungen für den Bau der 2. Stammstrecke

Im Vorfeld des Baus der 2. Stammstrecke wurde vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege eine archäologische Ausgrabung auf dem Marienhof gefordert. Sie fand von April 2011 bis Oktober 2012 statt und wurde auf Grundlage der Ausgrabungserkenntnisse von 1989 sowie der Untersuchungen aus den Jahren 2002 und 2003 detailliert geplant. So konnten Kosten und Untersuchungszeiten exakt kalkuliert und sinnvoll in den Gesamtablauf integriert werden.

Die archäologische Ausgrabung umfasste nicht nur das künftige Baufeld für die unterirdische Station am Marienhof, sondern auch die Bereiche, in denen z. B. Leitungen und Kanäle umverlegt werden müssen.

 

Was wurde gefunden?

Insgesamt wurden über 45.000 Einzelobjekte wie Keramik, Gläser und Stoffreste geborgen. Sämtliche Funde wurden gereinigt, verpackt und mit Fundzetteln versehen, um sie später dem jeweiligen Fundort wieder zuordnen zu können. Teilweise werden die Funde auch konserviert, um sie für zukünftige wissenschaftliche Arbeiten aufzubewahren oder sie in Museen zeigen zu können.

Sämtliche Fundsituationen und Einzelfunde wurden zeichnerisch und fotografisch dokumentiert. Außerdem wurden Vermessungen mit modernster Messtechnik durchgeführt. Die abschließend erstellte ausführliche Grabungsdokumentation umfasst insgesamt 36 Aktenordner mit Berichten, Befundbüchern, Übersichtsplänen, Fotos und vielem mehr.

Archäologische Ausgrabungen am Marienhof 2011-2012
Grafik: Umfang der archäologischen Ausgrabungen am Münchner Marienhof 2011-2012
Archäologische Grabungen 2002
Sämtliche Fundstücke wurden bei den archäologischen Untersuchungen am Marienhof fotografiert
Diashow von den Ausgrabungen
Der Münchner Marienhof (Februar 2015)

Weiterführende Informationen finden Sie in den Dokumenten zum Download:

Ausstellung am Marienhof

Leporello zur Stadtgeschichte

Anhand eines rekonstruierten alten Stadtplans und mit Texten, Fotos und alten Planausschnitten werden einige stadtgeschichtlich besonders interessante Bereiche des Münchner Marienhofes vorgestellt und näher erläutert.

Wie alt ist München?

Lesen Sie mehr zur wechselvollen Geschichte der Metropole.

 

Ist die Frauenkirche gefährdet?

Seit 2005 gibt es umfangreiche Untersuchungen.

 

Wie werden die neuen Stationen gebaut?

Mehr zum Bau unter Tage.