23.04.2017
Archäologie

Die Geschichte des Marienhofs

Grafik: So war der Bereich des heutigen Marienhofs bebaut.

Tief in die Stadtgeschichte Münchens

Die Grabungen am Marienhof wurden ein Ausflug tief in die Stadtgeschichte Münchens: Der größte Teil der fußballfeldgroßen rund 110 mal 95 Meter großen Freifläche liegt innerhalb des ältesten Stadtkerns aus dem 12. Jahrhundert. Der nördliche Randbereich gehört der Stadterweiterung aus dem späten 13. und frühen 14. Jahrhundert an. Der Name „Marienhof“ jedoch ist jüngere Geschichte.

Woher stammt der Name „Marienhof“?

Welche Bedeutung hat der Marienhof in der Geschichte der Metropole?

Wie sieht es heute am Marienhof aus? Was ist für die Zukunft geplant?

Woher stammt der Name „Marienhof“?

Der Name Marienhof ist ein inoffizieller Name, der sich aus einem dreiflügligen Baukomplex ableitet, den die Architekten Rudolf Esterer und Partner in den 1950er Jahren entworfen hatten. 1959 erschien der Name das erste Mal in den Zeitungen. Der Platz existiert in seiner heutigen Form erst seit den Enttrümmerungsarbeiten 1945, denn fast alle Häuser an der Schrammer- und Gruftstraße wurden bei mehreren Bombenangriffen während des Zweiten Weltkrieges zerstört.

Welche Bedeutung hat der Marienhof in der Geschichte der Metropole?

In den Zeiten der Stadtgründung Münchens im 12. Jahrhundert standen hier am Marienhof die ersten Häuser – und die Mauer der Stadt. Sie durchquerte das Quartier in leichter Schrägführung von Ost nach West zwischen der ehemaligen Gruft- und der Schrammerstraße.

Um 1270 beginnt die Stadterweiterung und eine zweite Stadtmauer wird gebaut. Damit wird die Stadtmauer auf dem heutigen Marienhof überflüssig. Die Fläche wird bebaut. Die sogenannten Mauergrundstücke sind zunächst in herzoglichem Besitz und werden auch von ihm vergeben.

In dem Bereich zwischen den beiden nördlichen Stadttoren verbleiben die beiden äußeren Grundstücke relativ lange in der Hand des Herzogs. Die mittleren werden an Juden übereignet, die unter dem Schutz des Herzogs standen. Sie sind bereits für 1229 in München überliefert. Der herzogliche Schutz bewahrte die Münchner Juden allerdings nicht vor der Gewalt der großen Judenverfolgung am 12. Oktober 1285. Schließlich veranlasste 1442 Herzog Albrecht III. die endgültige Vertreibung der Juden.

Eine Synagoge auf dem ehemaligen Grundstück Gruftstraße Nr. 1 wird das erste Mal 1380 erwähnt. Die zwei Häuser Gruftstraße 1 und 2 spielen bis zur Vertreibung der Juden eine zentrale Rolle im jüdischen Gemeindeleben. 1442 gehen die beiden Grundstücke aus jüdischem Besitz zunächst an den Leibarzt Herzog Albrechts III. Er baut die im Haus gelegene Synagoge zu einer Kirche um, der sogenannten Gruftkirche, nach der auch die Straße später benannt ist. Vorher hieß sie Judengasse.

Parzelleneinteilungen bereits aus dem 12. und 13. Jahrhundert

Wie die bisherigen Untersuchungen gezeigt haben, gehen die verschiedenen Parzelleneinteilungen bis in das 12./13.Jahrhundert zurück. Das Holzmodell des Straubinger Drechslermeisters Jakob Sandtner ist die früheste Darstellung des Viertels um 1570 bis 1572. Zu jener Zeit wohnen in diesem Teil der Stadt neben Handwerkern und Gastwirten viele Beamte und Hofbedienstete in direkter Nähe zu ihrem Arbeitgeber. Hier sind auch die Ratsfamilien Ligsalz, später Preysing, Törring und Mändl zu finden.

Um 1585 erfährt die Bebauung nördlich der Landschaftstraße eine gravierende Veränderung: Mit dem Abbruch des Hauses Nr. 5 und der Anlage des „Zwerchgässels“ oder auch „Kleiner Landschaftsgasse“ wird die Landschaftstraße mit der Gruftstraße verbunden.

Die kleinteilige Bebauung ändert sich im 17. Jahrhundert. 1627 stellt Kurfürst Maximilian I. der Begründerin des „Ordens der Englischen Fräulein“, Maria Ward, das Anwesen Weinstraße 13 zur Verfügung. Es wird neu bebaut. Nach der Säkularisierung des Klosters 1802/1803 und dem Umbau des Gebäudes zieht hier die Polizeidirektion ein.

 

Von der „Blauen Traube“ zum „Englischen Hof

Das zur Dienerstraße liegende Ende dieses Bebauungsblockes erfährt im 19. Jahrhundert ebenfalls eine radikale Veränderung. Nachdem unter der Familie Mändl mehrere Parzellen zu einem großen Grundstück zusammengefasst wurden, ließ ein neuer Besitzer 1850 das Hotel „Zur Blauen Traube“ errichten. Von 1869 bis 1882 dienten einige Räume der Münchner Börse, 1869 wurde hier der Deutsche Alpenverein gegründet. Nach einem Besitzerwechsel 1872 nannte sich das Hotel „Englischer Hof“. 1898/99 wurde das Gebäude zu einem Luxushotel umgebaut, in den 1930er Jahren schließlich zu einem Verwaltungsgebäude.

 

Zerstörung und Neuanfang

In den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges am 18. März 1944, am 17. Dezember 1944 und am 7. Januar 1945 ist das Viertel hinter dem Rathaus schließlich untergegangen. Nach den Enttrümmerungsarbeiten 1945 erhielt der Platz seine heutige Form.

Holzmodell des Drechslermeisters Jakob Sandtner aus dem 16. Jahrhundert
Keramikfunde bei Ausgrabungen am Marienhof 1989
Institut der Englischen Fräulein auf einem Stich von Michel Wening, 1701
Dienerstraße mit dem Hotel „Englischer Hof“, 1912
Der Marienhof von dem südlichen Turm der Frauenkirche aus gesehen, Aufnahme montiert und undatiert, um 1930.
Das Olympia Informationszentrum am Marienhof 1972
2011 wurden 35 japanische Schnurbäume in die städtische Baumschule München-Allach verpflanzt.
Visualisierung: Der Parkcharakter des Marienhofs soll auch nach dem Bau der 2. Stammstrecke erhalten bleiben.

Wie sieht es heute am Marienhof aus? Was ist für die Zukunft geplant?

Auch in seiner jüngeren Geschichte wurde der Marienhof mehrfach verändert: Bis 1971 war er öffentlicher Parkplatz, zwischen 1966 und 1967 diente er zudem als Baustelle für den U-Bahnhof „Marienplatz“. Von 1971 bis 1973 befand sich auf dem Marienhof der Infopavillion für die Olympischen Spiele.

Bis 1991 wurde der Marienhof als Festplatz mit Parkplatz, danach bis 2011 ausschließlich als Grünanlage genutzt. Hier standen auch 35 japanische Schnurbäume, die vor den archäologischen Grabungen 2011 in die städtische Baumschule in München-Allach verpflanzt wurden.

Nach Abstimmung zwischen dem Freistaat Bayern und der Landeshauptstadt München wurde die Grabungsfläche nach Abschluss der archäologischen Erkundungen Mitte Oktober 2012 zunächst wieder verfüllt. Damit steht sie nun bis zur Fortführung der Bauarbeiten für die 2. Stammstrecke wieder für die Öffentlichkeit zur Verfügung.

Der Parkcharakter des Marienhofs soll auch nach dem Bau der 2. Stammstrecke erhalten bleiben. Ergebnis eines Gestaltungswettbewerbs der Stadt München ist eine Grünanlage mit Bäumen als Umrahmung. Von der Station der 2. Stammstrecke werden nur ein Teil der Aufzüge und Treppenhäuser bis an die Oberfläche geführt.

Wie wurde die Geschichte des Marienhofes dokumentiert?

Ausgrabungen mitten in München.

Wie wird die neue Station am Marienhof gebaut?

Mehr zum Bau unter Tage.

Was wurde aus den Bäumen am Marienhof?

Besuch in der Baumschule Allach.