23.04.2017
Technik

Beweissicherung Frauenkirche

2. Stammstrecke München: Bestehen Gefahren für die Frauenkirche?

Die Frauenkirche – Das Wahrzeichen Münchens

Eine Expertengruppe aus Vertretern des Erzbischöflichen Ordinariats, der TU München, der Obersten Baubehörde und der Deutschen Bahn widmet sich seit Anfang 2005 der baulichen Sicherheit der Frauenkirche. Ein lasergestütztes System überwacht seitdem jede Bewegung des Doms. Viele Erkenntnisse wurden gewonnen. Auch die: Der neue Stammstreckentunnel wird die Frauenkirche nicht gefährden.

Wie alt ist die Frauenkirche?

Was wird zur Sicherung der Frauenkirche getan?

Zu welchem Ergebnis kamen die Untersuchungen?

Wie alt ist die Frauenkirche?

Schon um 1240 wurde an gleicher Stelle eine erste Kirche gebaut, die Marienkirche. Rund 30 Jahre später wurde sie zur Pfarrkirche „Zu Unserer Lieben Frau“ erhoben und ist damit nach „St. Peter“ die zweitälteste Pfarrkirche Münchens. Von der spätromanischen Kirche und einem älteren bischöflichen Speicherbau lagen noch Mauerreste unter der heutigen Kirche. Sie wurden während des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg untersucht und vermessen.

Der Grundstein der heutigen Kirche wurde 1468 unter der Leitung des „Meisters Jörg, Maurer aus Halspach“ gelegt. Zwei Gedenktafeln am Südostportal erinnern daran. Die Frauenkirche wurde 1494 geweiht; seit 1821 ist sie die Kathedrale der Erzbischöfe von München und Freising.

Der Zweite Weltkrieg hinterließ die Kirche als Ruine. Das historische Gewölbe und Teile der Innenausstattung wurden durch Bomben zerstört. Die Türme blieben stehen. Bis 1957 dauerten der Wiederaufbau des Doms und die Neugestaltung der Innenräume.

Die Frauenkirche ist das Wahrzeichen Münchens.
Grafik: Die 2. Stammstrecke wird  in rund 40 Metern Tiefe wenige Meter von der Frauenkirche entfernt vorbeiführen.
Visualisierung: Das Gewölbe der Frauenkirche als 3D-Modell.
Grafik: Ein dichtes Messnetz durchzieht das Gebäude der Frauenkirche.
Zwei Robottachymeter vermessen permanent die Frauenkirche mit Laserstrahlen (im Bild: Station Nord).

Was wird zur Sicherung der Frauenkirche getan?

Der Tunnel der zweiten Stammstrecke wird in rund 40 Metern Tiefe wenige Meter von der Frauenkirche entfernt vorbeiführen. Zu Beginn der Planungen gab es deshalb Vorbehalte im Erzbischöflichen Ordinariat, dem Hausherren des Domes.

2005 wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern des Erzbischöflichen Ordinariats, Experten für Sakralbauten, Fachleuten der Technischen Universität München, der Obersten Baubehörde des Freistaats Bayern und der DB-Projektleitung eingerichtet. 

Bestandsaufnahme

Erste Aufgabe war eine Bestandsaufnahme des Bauwerkes. Aufgrund ihrer wechselvollen Geschichte gab es von der Frauenkirche so gut wie keine Planunterlagen und keine Bestandsdokumentation.

So waren die Beschaffenheit des Bauwerks, seine Konstruktion, die Kriegsschäden und Nachkriegsreparaturen zu untersuchen und zu dokumentieren. Darüber hinaus stellte sich die Frage: Wie verhält sich der Dom bei Wind und Wetter, bei Hitze und Frost? Treten durch solche äußeren Einflüsse Veränderungen am Gebäude auf?

Zur Bestandsdokumentation wurden unter anderem die Fundamente freigelegt und untersucht. Das gesamte Gewölbe des Doms, von dem es nur wenige Fotos über die Wiederherstellung nach dem Krieg gab, musste mit allen Details dokumentiert werden. 

Ein dichtes Messnetz durchzieht das Gebäude

Auf Grundlage der Bestandsdokumentation wurden statische Modelle und Setzungsprognosen für das Gebäude während und nach dem Bau der 2. Stammstrecke erstellt. Um die Modelle und Prognosen zu verfeinern, folgte der nächste Schritt: Ein sogenanntes Nivellementnetz wurde installiert. Dieses Netz besteht aus zahlreichen Messpunkten. Die Ergebnisse der regelmäßigen Messungen geben Aufschluss über eventuelle Veränderungen des Bauwerks, z. B. Setzungen, aber auch Bewegungen bei Wind und Wetter.

Zwei sogenannte Robottachymeter vermessen das Bauwerk permanent mit Laserstrahlen in verschiedenen Richtungen und stellen die Messdaten online für Auswertungen zur Verfügung. Zudem wird die Veränderung der Temperaturen in der Kirche und außerhalb aufgezeichnet.

Damit stehen inzwischen über mehrere Jahre Daten zur Verfügung, die das Verhalten des Bauwerkes sehr genau wiedergeben.

Zu welchem Ergebnis kamen die Untersuchungen?

Die Frauenkirche bewegt sich – vor allem abhängig von Temperatur und Witterung. Diese Bewegungen gibt es bei jedem Bauwerk. Sie sind ganz natürlich.

In den natürlichen Bewegungen des Domes konnten die Experten keine Auffälligkeiten entdecken. Die Fachleute gehen davon aus, dass in der Geschichte des Domes die Bandbreite der Verformungen wesentlich größer war als in der Zeit der aktuellen Messungen.

Das Ergebnis der Untersuchungen zeigt: Es besteht keine Gefahr für den Dom, weder aus dem Zustand des Bauwerkes heraus, noch durch den Bau des zweiten Stammstreckentunnels.

Ein positiver Nebeneffekt: Der Hausherr des Domes hat dank der akribischen Arbeit der Experten viele wertvolle Informationen über die Frauenkirche gewinnen können.

Auch über die Bauzeit der zweiten Stammstrecke hinaus wird die Präzisions-Vermessungstechnik den Dom im Rahmen der Beweissicherung permanent überwachen.

Messprotokoll eines Robottachymeters

Wann wird die 2. Stammstrecke gebaut?

Erfahren Sie mehr zum Stand der Planungen.

Welche Alternativen wurden untersucht?

Südring und Trassenvarianten im PFA 3.

Was haben die Münchner von der 2. Stammstrecke?

Lesen Sie mehr zum Nutzen des Bauprojekts.