25.06.2017
Umwelt

Naturschutz

Für die durch den Bau der 2-. Stammstrecke unvermeidbaren Eingriffe in die vorhandene Natur werden sogenannte Ausgleichsmaßnahmen durchgeführt.

Naturschutz von Anfang eingeplant

Der Bau einer neuen S-Bahn-Strecke ist immer mit gewissen Eingriffen in die vorhandene Natur und Landschaft verbunden. Da die 2. Stammstrecke überwiegend im Tunnel verläuft, sind diese auf wenige Punkte begrenzt – wie den Streckenabschnitt von Laim bis zur Donnersberger Brücke, die Baustelleneinrichtungs- und Logistikflächen oder die Flächen für die Rettungsschächte. Für den Bau der 2. Stammstrecke wurde im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens eine Umweltverträglichkeitsstudie erstellt.

Die Belange des Naturschutzes werden bereits bei der Vorauswahl der Baustellenflächen berücksichtigt. Wo möglich werden wertvolle Biotopstrukturen und Bäume geschützt. Die nur bauzeitlich genutzten Flächen werden anschließend wiederhergestellt. Für den punktuellen Verlust von Flächen, beispielsweise für die Rettungsschächte, wird ein Ausgleich bzw. Ersatz geschaffen. Mit der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes oder mit Gestaltungsmaßnahmen wie Ersatzpflanzungen von Straßenbäumen wird sichergestellt, dass im Umfeld der 2. Stammstrecke keine nachhaltigen Beeinträchtigungen des Stadtbildes verbleiben.

Alle Eingriffe und Maßnahmen sind in einem „landschaftspflegerischen Begleitplan“ zusammengefasst. Insgesamt werden rund 25 Hektar Flächen bearbeitet. So werden z. B. neue Bäume u. a. in der Maxburgstraße, der Maximilianstraße, auf dem Marienhof, im Bereich Milchstraße/Kellerstraße, auf dem Orleansplatz und in den Maximiliananlagen gepflanzt. Für den Schutz von Reptilien und Fledermäusen werden bereits vor Baubeginn neue Rückzugsmöglichkeiten geschaffen.

Beispiele für Naturschutzmaßnahmen

Schutz von Reptilien im Bereich Laim – Donnersberger Brücke

Bäume am Marienhof

Ausgleich für den Rettungsschacht in den Maximilians­anlagen

Schutzmaßnahmen für Eidechsen am Leuchtenbergring

S-Bahn-Station Harthaus

Was wurde bereits vorab für den Schutz von Reptilien im Bereich Laim – Donnersberger Brücke getan?

Mit dem Bau der 2. Stammstrecke werden zwischen Laim und dem westlichen Portal des neuen Stammstreckentunnels nahe der Donnersbergerbrücke Gleisanlagen neu- und umgebaut. Die Baustellen befinden sich überwiegend auf brachliegenden Bahnnebenflächen, die sich im Laufe der Zeit zu trocken-mageren Standorten entwickelt haben und als Lebensraum für wärmeliebende Tierarten wie der streng geschützten Zauneidechse dienen.

In diesen Lebensraum wird mit dem Bau der 2. Stammstrecke eingegriffen. Daher müssen zur Kompensation des bau- und anlagenbedingten Verlustes Maßnahmen zum Schutz der Tiere und der Sicherung ihrer Lebensräume geplant werden. Diese sogenannte CEFMaßnahme (engl.: continuous ecological functionality measures) gleicht die Eingriffe frühzeitig, das heißt vor Baubeginn und in räumlicher Nähe zum Eingriff aus. Als CEF 1 wird das Maßnahmenpaket für den westlichen Teilabschnitt der 2. S-Bahn-Stammstrecke (Laim bis Stachus) bezeichnet. Der Maßnahmenbereich liegt unmittelbar westlich der Donnersbergerbrücke und hat in Richtung Westen Anschluss an die Zone ökologischer Vernetzung.

Damit die CEF 1 bis zum Baubeginn der 2. S-Bahn-Stammstrecke ihre Wirksamkeit entfalten kann, wurde die Maßnahme bereits im Sommer 2014 umgesetzt. Sie wurde von der Höheren Naturschutzbehörde, der Regierung von Oberbayern, genehmigt und vom Freistaat Bayern finanziert.

Was wurde im Einzelnen getan?

  • Die Sukzessionsvegetation („Verbuschung“) wurde beseitigt, um die mageren Standortbedingungen zu erhalten.
  • Magerrasen wurde angesät.
  • Als Versteck- und Überwinterungsmöglichkeit wurden Totholz- und Lesesteinhaufen angelegt.
  • Zur Eiablage für Reptilien wurden Sandlinsen geschaffen.

Die bestehenden Schotterflächen, die südexponierten Bahnböschungen sowie wertvolle Altbäume wurden bewusst belassen. Die Struktur der CEF 1 ist damit abwechslungsreich gestaltet und bietet nicht nur für Reptilien einen neuen Rückzugsraum.

Zum Schutz der Maßnahme wurde diese durch mehrere Hinweisschilder gekennzeichnet.

Naturschutz an der 2. Stammstrecke: Ausführungsplanung für die CEF 1-Maßnahme
Naturschutz an der 2. Stammstrecke: Sandlinsen
Naturschutz an der 2. Stammstrecke: Neue Lebensräume für Eidechsen
Naturschutz an der 2. Stammstrecke: Totholzhaufen mit Hinweisschild
Video: Was wurde aus den Bäumen am Marienhof? Wir haben den Leiter der Baumschule in Allach gefragt.
Mit Hilfe der größten in Europa verfügbaren Ballenstechmaschine wurden die Schnurbäume ausgehoben (Juni 2011).
Die Schnurbäume werden durch die Stadt zur Baumschule nach Allach transportiert (Juni 2011).
In Allach haben sich die Bäume gut entwickelt.

Marienhof

Der Marienhof war mit 35 japanischen Schnurbäumen bepflanzt. Als 2011 die archäologischen Grabungen als Vorwegmaßnahmen zum Bau der 2. Stammstrecke begannen, mussten die rund 30 Jahre alten Bäume weichen. Aufgrund der städtebaulichen Bedeutung dieser Bäume beschloss der Stadtrat, die Bäume verpflanzen zu lassen.

Im Juni 2011 konnten die Bäume in die städtische Baumschule in Allach umziehen. Mit der Verpflanzung wurde eine Fachfirma aus Mittelfranken beauftragt. Mit Hilfe der größten in Europa verfügbaren Ballenstechmaschine hoben die Baumexperten die Schnurbäume aus und transportierten sie nach Allach im Nordwesten der Stadt. Zur Vermeidung von Transportschäden wurden Krone und Stamm mit Hilfe von Textilien geschützt.

Am Zielort in der städtischen Baumschule in Allach wurden die Einzelpflanzgruben für die Bäume vorbereitet und mit speziellem Pflanzsubstrat aus leicht durchwurzelbare Erde und Langzeitdünger angereichert. In der Baumschule angekommen, wurden die Bäume mit Stützpfählen gesichert und gewässert. Mit Hilfe von verdunstungshemmenden Stoffen und Mulch wurde das Anwachsen unterstützt.

Bereits 2012 berichtete die Hauptabteilung Gartenbau der Landeshauptstadt, dass die Bäume sich gut entwickeln. Im Sommer 2013 konnte schließlich festgestellt werden: Alle verpflanzten Bäume sind angewachsen und erfordern nur noch sporadische Pflegemaßnahmen. Eine spätere weitere Verpflanzung ist nicht ausgeschlossen.

 

Weitere Informationen zum Marienhof:

Maximiliansanlagen

Auf dem Gelände der Maximiliansanlagen wird ein Rettungsschacht für die 2. Stammstrecke gebaut. Als Schutzmaßnahme während der Bauzeit werden rund 250 Meter Schutzzaun für die Gehölze in der Nachbarschaft der Baustelle aufgestellt. Als Ausgleich werden Rasenflächen neu angelegt und drei Bäume neu gepflanzt: Eine Eibe, eine Stieleiche und eine Ulme.

Der Altbaum, der für den Rettungsschacht gefällt werden muss, wird im Herbst vor dem Baubeginn gründlich untersucht. Er ist mit seinen Hohlräumen ein potenzielles Fledermausquartier. Im Herbst ist die Aufzucht der Tiere abgeschlossen, sie sind jedoch noch mobil und haben noch nicht ihre Winterquartiere bezogen. Werden in dem Altbaum Fledermäuse gefunden, müssen diese geborgen, fachgerecht versorgt und umgesiedelt werden. Die leeren Hohlräume werden verschlossen. Als Ersatz für die Baumrodung werden Fledermauskästen in den Maximiliananlagen angebracht.

Während der Bauzeit in den Maximiliananlagen werden rund 250 Meter Schutzzaun für die Gehölze in der Nachbarschaft der Baustelle aufgestellt.
Vor dem Baubeginn der 2. Stammstrecke werden am S-Bahnhof Leuchtenbergring neue Lebensräume für Zauneidechsen geschaffen.

S-Bahnhof Leuchtenbergring

In den alten Bahnanlagen südlich des Bahnhofs Leuchtenbergring leben eine Vielzahl von Reptilien, z. B. Zauneidechsen. Durch den Bau der 2. Stammstrecke ist hier ein gewisser Eingriff in die vorhandene Natur notwendig. Vor dem Baubeginn wird deshalb eine Artenschutzmaßnahme für Reptilien umgesetzt: Die Anlage von Totholzhaufen, Sandlinsen und Lesesteinhaufen dient vor allem der Zauneidechse als Rückzugsraum.

Nach Abschluss der Baumaßnahme wird im Bereich der Eisenbahnüberführung Leuchtenbergring eine sogenannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme umgesetzt. Einige dort befindliche Flächen wurden über längere Zeit sich selbst überlassen. Diese sind inzwischen durch sogenannte Sukzession, d. h. Verbuschung, bedroht. Sie werden durch regelmäßige Entbuschung in ihren ökologisch wertvollen Zustand zurückversetzt und dauerhaft in diesem Zustand erhalten.

 

Weitere Informationen zum Bahnhof Leuchtenbergring

S-Bahn-Station Harthaus

Beim Bau der 2. Stammstrecke sind in der Münchner Innenstadt an mehreren Stellen Eingriffe in die vorhandene Natur notwendig. Für diese Eingriffe werden immer sogenannte Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen durchgeführt. Jedoch stehen direkt an den Stellen der Eingriffe nur begrenzt Flächen für alle Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen zur Verfügung.

Deshalb werden im Südosten Münchens, in Germering, zwei Flächen an der Münchner Stadtgrenze zwischen der S-Bahn-Station Harthaus und dem Autobahnring ökologisch aufgewertet. Auf diesen Flächen werden Lebensräume für Reptilien entwickelt. Angrenzend an die Flächen wurden und werden weitere Ausgleichsmaßnahmen für andere Infrastrukturprojekte umgesetzt, so dass hier ein Verbund von speziellen Lebensräumen entsteht.

Wie werden die Anwohner vor Lärm geschützt?

Mehr zum Lärmschutz beim Bau und Betrieb der 2. Stammstrecke.

Sind Häuser durch Erschütterungen gefährdet?

Details zum Erschütterungs­schutz an der 2. Stammstrecke.

Wie wurde die Geschichte des Marienhofes dokumentiert?

Ausgrabungen in München.